Kurzbeschreibung Projektvorhaben

Im Jahr 2011 findet in Deutschland die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft statt. Für den Frauenfußball stellt die WM im eigenen Land eine unvergleichliche Möglichkeit dar, die Sportart auf dieses Ereignis hin weiter zu entwickeln. Hieran knüpft auch eine Auflage des Deutschen Fußballbundes an die lokalen Organisationskomitees an, bereits im Vorfeld der WM durch vielfältige Initiativen den Frauenfußball zu fördern und seine nachhaltige Entwicklung auch über die WM hinaus in der jeweiligen Region abzusichern.

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen wird mit drei von neun Austragungsorten bei der Frauen-WM stark vertreten sein: Bochum, Leverkusen und Mönchengladbach. Dies entspricht der Bedeutung der Fußballvereinskultur in NRW, die sich insbesondere im Ruhrgebiet verdichtet; zudem verfügt Nordrhein-Westfalen über eine hervorragende Stadieninfrastruktur. Allerdings werden bislang mit dem NRW-Fußball ausschließlich die Traditionsvereine im Männerfußball verbunden, die nach wie vor Hunderttausende von Menschen in die heute hochmodernen Fußballarenen der Region führen. Ganz im Schatten des Profifußballs der Männer hat sich jedoch in den Fußballvereinen NRWs inzwischen der Frauen- und Mädchenfußball etabliert, seit Jahren mit starken Zuwachsraten. Während der Mädchenfußball expandiert und in den Vereinen und regionalen Fußball verbänden in eigenen Abteilungen betreut wird, ist dagegen der Frauenfußball weniger exponiert entwickelt und sichtbar. Trotz einer starken Präsenz NRWs in den Spitzenligen des Frauenfußballs bestehen auf verschiedenen Ebenen strukturelle Probleme und unausgeschöpfte Potentiale zur weiteren Etablierung des Frauenfußballs auf Spitzenniveau wie auch als Breitensport.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die nordrhein-westfälischen Austragungsstädte der FIFA-Frauen-WM 2011 sowie darüber hinaus die Fußballverbände und -kreise in NRW im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung des Frauenfußballs durch eine wissenschaftlich gestützte Situations- und Potentialanalyse sowie durch strategisch-konzeptionelle Vorschläge zu unterstützen. Die Datenerhebung erfolgt über verschiedene Methoden der empirischen Sozialforschung: Auswertung historischer Quellen zum Fußball in NRW (zur Rekonstruktion der Geschichte des Frauenfußballs in NRW); Auswertung statistischer Daten der Fachverbände/der Fußballkreise zu Mitglieder- und Mannschaftszahlen im Frauen- und Mädchenfußball, Erfassung von Veränderungen im Zeitverlauf; Auswertung von Dokumenten über Maßnahmen und Initiativen der Fußballverbände sowie der Landes NRW im Frauen- und Mädchenfußball; Qualitative Interviews mit Vertretern der Fußballregionalverbände Westfalen (FLVW), Niederrhein (FVN), Mittelrhein (FVM) sowie des übergreifenden Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes WFLV; Qualitative Interviews mit ausgewählten Fußballvereinen, die über langjährige Erfahrungen mit Frauenfußball verfügen bzw. sich auf den Frauenfußball konzentrieren (Entwicklung des Frauenfußballs im Verein, Erfolgsfaktoren, Probleme, Entwicklungspotentiale); Quantitative Fragebogenerhebung in den NRW-Fußballvereinen mit Frauenfußball (Entwicklung des Frauenfußballs im Verein, strukturelle Einbindung des Frauenfußballs, Erfolgsfaktoren, Probleme, Entwicklungspotentiale); Analyse der Internetauftritte führender Vereine im Frauen- und Mädchenfußball (Sichtbarkeit des Frauenfußballs). Bei der Durchführung der Studie wird eng mit den Fußballverbänden im Land NRW kooperiert.

Zusammenfassung_Projektergebnisse

Leiter/Koordinatoren

Prof. Dr. Marie-Luise Klein

Beteiligte Wissenschaftler/innen

Dipl.-Sportwiss. Stella Lelek

Laufzeit

01/2010 - 03/2011

Kooperationen

Westdt. Fußball- und Leichtathletikverband

Förderinstitutionen

Innenministerium NRW

Publikationen

Klein, M.-L., Deitersen-Wieber, A. & Lelek, S. (2012). Strukturelle Auswirkungen der Inklusion des Frauen- und Mädchenfußballs in die Fußballvereine – untersucht am Beispiel des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes. In G. Sobiech & A. Ochsner (Hrsg.), Spielen Frauen ein anderes Spiel? Geschichte, Organisation, Repräsentation und kulturelle Praxen im Frauenfußball (S. 61-75). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Klein, M.-L., Deitersen-Wieber, A. & Lelek, S. (2012). Der Frauen- und Mädchenfußball in den Vereinen des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) - eine Situationsanalyse. Projektbericht Ruhr-Universitiät Bochum.